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Action Learning

 

Reflective Practitioners

‚reflective Practitioners’

Schön’s Modell des ‚Reflective Practitioners’, obwohl fast nie im Zusammenhang von situiertem Lernen genannt, beschreibt modellhaft einen fast als chronologisch zu betrachtenden Ablauf von Lernen in Alltagssituationen mit ‚Situation Backtalk’. Auch wenn es nicht explizit im tragenden sozialen Kontext gedacht ist, so erlaubt es jedoch einen Blick durch die Lupe auf ausgewählte Stellen der Landschaft aus Communities of Practice und kreuzenden ‚sichtbaren’ organisatorischen Strukturen.

Es existiert eine Vielzahl an Vorstellungen von dem, welche Grundzüge einer menschlichen Handlung unterliegen (‚Handlungstheorien’, vgl. z.B. Hackl, 2000, 20)[1]. Diese Konzepte werden unterschiedlich ‚dargeboten’. So stellen einige Charakteristika und Abgrenzungs­merkmale dar[2] andere versuchen Handlungen in ihren Abläufen greifbar und transparent zu machen. Im Folgenden stelle ich das hier zugrunde gelegte Modell für Erkenntnisgewinn im Überblick und anschließend in ausgewählten Detailaspekten dar. Ich folge dabei einem ‚chronologischen Ablauf der Handlung’, da es mir auf ein Bild des Handlungsflusses und nicht auf die trennscharfe Abgrenzung von Konzepten ankommt. Jedem Detailaspekt füge ich die Implikationen aus dem dargestellten Modell für die Durchführung der Erhebung, Auswertung und Darstellung hinzu.



[1] Hackl, Bernd (2000). Systemisch denken – pädagogisch handeln? Reichweite, Paradoxien und Selbstmissverständnisse eines populären Ideoms. Innsbruck, Wien, München: Studienverlag

[2] z.B. Groeben et al. 1988

Handeln und Wissen

Die drei Typen von Handeln und Wissen nach Donald Schön im Überblick

Schön beschreibt nicht einen Handlungsprozess generell, sondern teilt das Handeln auf drei Typen auf (Schön 1983), die im täglichen Leben bei der Bewältigung von Alltagssituationen zusammen­spielen, in unterschiedlichen Kombinationen auftreten können und je nach Kombination auch expliziertes, reifiziertes Wissen produzieren. Alle drei Typen bergen – auch wenn sie von Schön als solche nicht expliziert konzipiert worden sind – Implikationen für die wissenschaftliche Forschung im Rahmen dieser Arbeit in sich, für die die Typen im einzelnen näher betrachtet werden müssen.

Zunächst stelle ich hier die drei Typen im Überblick dar und gehe dann auf die Bereiche näher ein, von denen m.E. das zugrundeliegende Gedankenmodell  am bedeut­sam­sten für diese Arbeit ist.

 Schön trägt mit der Unterteilung in drei Typen den unter­schiedlichen Arten des Zusammen­spiels zwi­­schen Denken und Handeln Rechnung[1]. Durch die Unterteilung in Typen ‚trennt’ Schön das Durch­­laufen von Handlungen mit mehr oder weniger Routine­cha­rakter[2] von Handlungen, die einer Problem­wahr­neh­mung aus dem Ablauf von Routinehandlungen heraus folgen[3] und von diesen wiederum ‚trennt’ er ein Modell von Denken und Handlung, das größtenteils auf der Reflexion, der Ver­balisierung und Konzep­tua­lisierung beruht. Bei Typ I und Typ II findet also die Reflexion mehr oder weniger während des Handelns statt.

Für die Reflexion nach Typ III tritt die reflektierende Personen aus dem Handlungsfluss heraus, vergegen­ständlicht den Prozess und Erfahrungen in gedanklichen Model­len, Vorstellungen von Abläufen und reflektiert über die auf diese Weise vergegen­ständ­lichten Handlungen.[4] Ein fließender Hand­lungsprozess erstarrt in diesen Ver­gegen­ständ­lichun­gen. Mit Typ III gebildete Konstrukte können hier analysiert, reorganisiert, nach außen hin dargestellt werden.  Durch Vergegenständlichung kann auch die Sicherung des gewonne­nen Wissens – nicht begrenzt auf den Typ III – erfolgen. Das beschränkende ‚Kann’ soll darauf hinweisen, dass mit dem Bild der Wissens­speicherung allein in Vergegen­ständ­lichungen, ein entscheidender zweiter Teil ausgeblendet ist, der den Wissens­speicher über­­haupt erst zu einem funktionierenden Ganzen macht – die Partizipation inner­halb einer Community of Practice und zudem das Bild von der Vergegenständlichung mentale Konstrukte wie z.B. Pläne ausblendet. Hierauf werde ich an ande­rer Stelle noch näher eingehen. Es handelt sich bei ‚Wissensverkörperungen’ keinesfalls um einfache Programme, die mit Typ III erstellt und dann in Typ I abgespielt werden. Grundlegend stellt sich die Frage, ob die Sprache, mit der in Typ III gearbeitet wird, überhaupt die Prozesse beschreiben kann, die in Typ I ablaufen und in wie weit anzuerkennen ist, dass es sich um mehr oder minder treffsicher abbildende Hilfskonstruktionen handelt, bei denen wir versuchen, in der Sprache eines ‚Angekommenen’ darüber zu reden, wie der Weg gebaut wurde (vgl. Neuweg, 1999, 112). So stellt etwa Ryles fest, dass die Formulierungen von Theorien „Mitteilungen über und Hinweise auf die verwendeten Methoden und angestellten Beobachtungen enthalten, aber sie enthalten nicht diese Methoden oder Beobachtungen selbst.“ (Ryle, 1949, 394). „Es ist ein Fehler, die Denkarbeit, die in Theorien resultiert, mit Ausdrücken zu beschreiben, die der Beschreibung der Ergebnisse dieser Denkarbeit entlehnt sind“, schreibt Neuweg (1999, 112, 113). Es ist die Frage zu klären, ob er damit sein eigenes Werk eventuell ad absurdum führt und ob eventuell eine ‚neue Sprache’ aus der problematischen Lage heraushelfen könnte. Ich nehme für diese Erhebung an, dass die Sprachen zwar unterschiedlich sind, ein Verstehen zwischen den Typen jedoch vom Individuum erlernt werden kann (oder als biologischer Prozess schon vorangelegt ist?), man jedoch nie von einer ‚Ein-zu-Eins-Überführung’ zwischen Typen ausgehen kann.


[1] zum Zusammenspiel unterschiedlicher ‚Prozess- und Funktionstypen’ vgl. Hackl, 2000, 146

[2] Handlung vom Typ I ‚tacit-knowing-in-action’, Schön, 1983, p.49

[3] Handlungen vom Typ II ‚reflection-in-action’, Schön, 1983, p.62

[4] Ähnliche Aufteilungen oder Typisierungen finden sich bei Volpert (1975, 118), der in Anschluss an Hacker zwischen der ‚perzeptiv-begrifflichen’ und der ‚sensu-motorischen’ Regulationsebene menschlichen Handelns unterscheidet, Hackl (2000, 139, 144ff.) greift auf die Begrifflichkeiten Holzkamps zurück und unterscheidet ‚pragmatische’, ‚automatischen’, ‚iconische’ und theoretische Prozesstypen. Volpert, Walter (1975). Die Lohnarbeitswissenschaft und die Psychologie der Arbeitstätigkeit. In: Groskurth, P. & Volpert, W. (1975). Lohnarbeitspsychologie, Berufliche Sozialisation: Emanzipation zur Anpassung. Frankfurt/Main. Die Unterscheidung zwischen ‚Tools’ und ‚symbols’ wie sie in einigen Versionen der ‚Activity theory’ und der kritischen Psychologie thematisiert werden, blendet Wenger innerhalb des Schemas, dass er zeichnet aus. Seiner Meinung nach ist die Trennung entlang der Linie von ‚Shape’ und ‚Convention’ unzutreffend und nicht weiterführend, da auch z.B. ein Hammer einen symbolischen Gehalt haben kann (Wenger, 2000, 288)

Routinehandlungen

Es ist eine weitere wichtige Anmerkung zum Verhältnis der Routinehandlungen zu den Handlungen von Typ II und Typ III zu machen: Auch – oder gerade weil – es sich hier um Routinehandlungen handelt, sind diese keinesfalls als ‚primitiv’ oder ‚trivial’ (weil ohne Reflexion nach Typ I und Typ II ablaufend) zu betrachten. Sie stellen den Modus dar, in dem Vorbereitungen aus Typ II und Typ III und größtenteils aus einem anzunehmenden biologisch begründeten Modell in einem glatten Zusammenspiel ablaufen und somit überhaupt erst den Freiraum schaffen für eine Erweiterung des Routinehandlungsspektrums mit den ‚Maschinen’, die in ‚Halle II’ und ‚III’ zur Verfügung stehen. Es liegt vielmehr an der ‚Wachsamkeit’ in der Routinehandlung, überhaupt in die Weiterbearbeitung von Problemstellungen einsteigen und die Handlungen von Typ II und III dafür nutzbar zu machen zu können (vgl. z.B. Giddens 1995, 51ff[1], Joas 1996, 218ff[2]). Ein unpassendes Maß eines jeden der Typen kann sich als nachteilig auswirken. So ist z.B. ein extensiver Umgang mit Handlungen von Typ III problematisch, weil die Bewusstwerdung und mentale Verarbeitung auf dieser Ebene im Widerspruch zu einer reibungsarmen gleichzeitigen Handlung von Typ I steht (das Tausendfüssler-Symptom). Die Fähigkeit des Menschen auf allen ihm zur Verfügung stehenden ‚Klaviaturen zu spielen’ und diese Spielfähigkeit auszubauen, bedarf eines fein aufeinander abgestimmten Zusammenwirkens aller drei Typen.[3]



[1]Giddens, Anthony (1995): Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung, Frankfurt/Main: Suhrkamp

[2]Joas, Hans (1996): Die Kreativität des Handelns, Frankfurt/Main: Suhrkamp

[3] Für das Zusammenspiel der Typen, das bei Schön blass bleibt vgl. etwa Neuweg (1999, 257, 394). Neuweg, Hans-Georg (1999). Könnerschaft und implizites Wissen. Zur lehr-lerntheoretischen Bedeutung der Erkenntnis- und Wissenstheorie Michael Polanyis. Münster, NY, München, Berlin: Waxmann